Almabtrieb in Tracht mit lederhose und dirndl

Tracht – Macht – kulturelle Identität

Brauchtum
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Bayrische Tracht besser verstehen…

In wohl keiner anderen Region Deutschlands nehmen Brauchtumspflege und Traditionen einen so hohen Stellenwert ein wie in Bayern. Gängige Vorstellung von Auswärtigen aber auch der gemeine Bayer sind der Ansicht, dass es sich bei Lederhosen und Dirndl um mehrere Jahrhunderte alte Traditionskleidung handelt. Dabei ist die bayerische Tracht eine relativ junge Erfindung…

Ursprünglich beschreibt der Begriff Tracht ganz allgemein das Tragen von Kleidung oder die getragene Kleidung selbst. Beispielsweise die Lederhose.

Lederhose

Lederhose und grünes Dirndl
Lederhose und Dirndl

Es wurde schon lange Leder zur Herstellung von Hosen verwendet, nur hatten diese keine Ähnlichkeit mit den Lederhosen, wie sie jetzt erscheinen. Ein Vorgänger der Lederhose war die Culotte, die im 17. Jahrhundert vom Adel getragen wurde. Zu Zeiten der französischen Revolution wurde das Ende der Culotte bei der Stadtbevölkerung eingeleitet.

Dirndl

Das Wort Dirndl ist die Verkleinerungsform des Wortes Dirn, was einfach junges Mädchen bedeutet und auch für Dienstboten und Mägde in der Landwirtschaft/Hauswirtschaft genutzt wurde. Um 1900 wurde das Dirndlkleid von der Stadtbevölkerung als „ländliches“ Kleid getragen und somit eine gängige Kleiderform, die sich an der Damenmode des 18.Jahrhunderts orientierte.

Napoleonische Flurbereinigung

Bei der Gründung des Königreichs im Jahre 1806 war Bayern noch weit entfernt von einer gemeinsamen Identität. Dann, im Rahmen der „napoleonischen Flurbereinigung“ wurden viele bis dahin selbständige Territorien unterschiedlichster Tradition einverleibt: Franken, Schwaben, Pfälzer und Bayern wurden ungeachtet der unterschiedlichen kulturellen Wurzeln und der sprachlichen und landschaftlichen Unterschiede in einem Königreich vereint.

Was anfänglich schwierig war, konnte sich im Laufe der Jahrhunderte zu einer Stärke entwickeln. Heute wird Bayern gerade für seine Vielfalt geschätzt. Die Menschen pflegen ihre über Jahrhunderte gewachsene, besondere Prägung mit Hingabe: Brauchtum hat in Bayern deshalb einen ganz besonderen Stellenwert.

Ureigene Idee der Wittelsbacher

Reiterstandbild aus Stein
Reiterstandbild Wittelsbacher

Beim ersten Oktoberfest 1810 ließ Max I. Joseph Kinder und Jugendliche in Trachten kommen – als Vertreter der verschiedenen Landschaften, die zu Bayern gehört haben. Als Erstes schrieb sich König Maximilian II. die Förderung der ländlichen Kleidung auf die Fahnen – sogar mit einem Erlass. Mit der Verbreitung der Trachten wollten die Wittelsbacher zur „Hebung des bayerischen Nationalgefühls“ beitragen.

Zur Zeit der Wiesn, d.h. der Hochzeit von Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese am 12.10.1810 gab es die Tracht – wie wir sie heute kennen noch lange nicht.

Bevor das bekannte Pferderennen, zu Ehren des Brautpaares stattfand, huldigte man das Paar und das Königshaus in Form eines Zuges aus 16 Kinderpaaren, die mit Trachten der Wittelsbacher, der neun bayerischen Kreise, sowie weiterer Regionen bekleidet waren. Das war das erste Mal, dass die Tracht als Identifikationsmittel für das Königreich Bayern verwendet wurde. Alle anderen Gäste waren nicht in Tracht gekleidet

Was viele nicht wissen, dass die Trachtenkleidung eine Art PR-Instrument der Wittelsbacher war. Die Königsfamilie wollte, dass sich das Volk mit Bayern identifiziert und das am besten durch die Kleidung. Aus heutiger Sicht war das wohl eine der besten PR-Aktionen aller Zeiten.

Das Königshaus gab sich volksnah, indem es sich selbst immer wieder gerne in Tracht zeigte. Inspiration für die Herrentracht fand man damals unter anderem bei den Jägern mit ihren Lederhosen. König Ludwig II war auch ein Trachtenanhänger und so sorgte er dafür, dass der Adel bei der Jagd Lederhosen trug.

Doch eines sei gesagt: Bei einer Lederhose gilt wie bei wenigen anderen Kleidungsstücken – Qualität ist alles! Zwar sind die Lederhosen aus Hirsch-, Reh- oder Gamsleder deutlich teurer, sie halten aber auch länger als billigere Stücke. Außerdem greift ein wichtiger modischer Faktor: Sie altern „g’scheit.

Am besten sieht eine traditionell bayerische Herrenlederhose nämlich mit einer schönen, edlen Patina aus, die erst nach mehrfachem Tragen entstehen kann. Einige Trachtenprofis helfen bei einer neuen Hose sogar nach, indem sie diese mit Butter oder Melkfett bearbeiten.

Tracht ist nicht gleich Tracht

In ganz Bayern gibt es verschiedene Trachtarten! Jede Region hat ihre eigene Geschichte und dementsprechend eine eigene Tracht. Dabei unterscheiden sich nicht nur Franken, das Allgäu und Oberbayern hinsichtlich ihrer Trachten-Tradition. Sogar innerhalb der einzelnen Regionen werden teilweise unterschiedliche Bräuche und Trachten gepflegt.

Ältere Dame im roten Dirndl am Tisch sitzend
Dame im Dirndl

Wer bei Trachtenmode an Dirndl und Lederhosen denkt, der denkt beispielsweise an die oberbayerische Gebirgstracht. Doch auch von dieser gibt es mehrere Varianten. Es lassen sich tatsächlich etwa sechs verschiedene Gebirgstrachten benennen:

Erstaunliches Beispiel Werdenfelser Tracht in Garmisch-Partenkirchen:

Lange Zeit waren Garmisch und Partenkirchen eigenständige Ortsteile, und das sieht man auch heute noch, zum Beispiel an den traditionellen Trachten. So ist der Gamsbock auf der Lederhose ein traditionelles Garmischer Zeichen, während man den echten Partenkirchner am nach unten gerichtetem Eichenlaub an seinem Jackenrevers erkennt.

Den Titel der „richtigen bayerischen Tracht“ kann dabei keine dieser sechs für sich beanspruchen.

Trachten Regeln

Mit der Gründung von Trachtenvereinen entstanden auch Regeln. Mit dem Ergebnis, dass Trachten eine Art Uniform wurden und schließlich regional zum Teil sehr starke Unterschiede aufwiesen. Außerdem lassen sich bis heute Rückschlüsse auf beispielsweise den Personenstand ziehen. Das war bei Frauen vor allem mittels der Art, in der die Schürze mit der Schleife gebunden wurde, möglich.

Inspiration war das billige, zusammengestückelte Arbeitsgewand für Bäuerinnen und Mägde. Es bestand aus einem Hemd, über dem ein lockeres Kleid („Leiblgwand“) aus Baumwolle oder Leinen sowie eine Schürze, meist aus alter Bettwäsche oder Lumpen hergestellt, getragen wurde. Das war praktisch, hat mit dem was wir heute als Dirndl bezeichnen, optisch allerdings so gut wie nichts gemein.

Inspiriert von den, zugegeben recht unförmigen Kleidern der Mägde, wurde das Dirndl den gehobenen Ansprüchen der wohlhabenden Gesellschaft angepasst und verschönert. Details wie Schürze, Abnäher, Borten und Biesen sind geblieben. Diese Merkmale sind darauf zurückzuführen, dass die Kleidung früher lange halten musste. Bei Bedarf konnte man die Kleidung so enger und weiter machen, den Rocksaum verlängern und notfalls die alte Schürze durch eine neue ersetzen.

Das Dirndl war also tatsächlich ein Sommerkleid für die wohlhabende Städterin auf Landurlaub und zudem ein reines Freizeitphänomen.

Haute Couture und Salzburger Festspiele

Nach den Schrecken des ersten Weltkrieges beginnt eine Rückbesinnung auf alte Traditionen. Bereits in den 1920er Jahren gewinnen Dirndl und Tracht auch in den Städten an Beliebtheit. Wer etwas auf sich hielt, zeigte sich in modischen Dirndln oder Trachtenkostümen auf den Salzburger Festspielen.

Die Salzburger Festspiele oder die Inszenierung der Operette „Im weißen Rößl“ trugen zusätzlich dazu bei, dass sich Tracht immer mehr manifestierte und an Beliebtheit gewann. Anfangs mehr als Verkleidung, denn als Alltagsgewand. Ein Bauer wäre nie auf die Idee gekommen, eine eher unpraktische und viel zu teure Lederhose zur täglichen Arbeit zu tragen.

Dirndl und Tracht zur NS-Zeit

Zur Zeit des Nationalsozialismus missbrauchte Hitler die bayerische Tracht hauptsächlich zur Propaganda. Das Bild eines anständigen, ländlichen und heimattreuen Arbeiters in Tracht und sicherlich auch die Heimatassoziation mit Trachten passten den Nationalsozialisten wohl gut in den Kram.

Hitler posierte für Hoffmann in Lederhosen. Besonders interessant hierbei ist, dass Hitler sich gerne in einer Lederhose darstellen ließ (Fotos, die Hitler später recht schnell unter Verschluss nehmen ließ), die von den jüdischen Wallach-Brüdern in München hergestellt wurde. Deren Geschäft in der Residenzstraße wurde später genau wie alle anderen jüdischen Läden im Zweiten Weltkrieg geschlossen.

Die sehr modischen und ausgefallenen Dirndl der eleganten Städterinnen der 30er Jahre passten jedoch nicht ganz ins Bild der Nationalsozialisten. Adrette Blusen, säuberliche Schürzen und brave Flechtfrisuren verkörperten die gewünschte Bodenständigkeit und „deutsches Frauentum“ dagegen wunderbar.

Dirndl und Tracht mögen also geschichtlich gesehen mit dem Oktoberfest nicht unbedingt streng verbunden sein, dennoch gehören sie heutzutage, irgendwie zusammen. Schließlich hat es München wie keine andere Stadt geschafft, sich mit seiner Tracht einen einzigartigen Wiedererkennungswert zu schaffen.

„Da Summa is umma“ – Viehscheid

Almabtrieb mit geschmückten Kühen und Bauer in Tracht
Almabtrieb im Allgäu

Zwischen Mitte September und Anfang Oktober kehren die Kühe und Rinder von den saftigen Almwiesen zurück ins Tal und in den heimischen Stall. Ein Ereignis mit langer Tradition, das begeistert.

Lautes Glockengebimmel kündigt die Herde an. Den Zuschauern am Wegesrand bietet sich ein farbenprächtiger Anblick. Am Ende des Sommers kehrt das Vieh wohlgenährt und festlich geschmückt von den Almen zurück ins Tal. Und das ganze Dorf feiert den Almabtrieb. Diese langjährig gepflegte Tradition prägt nicht nur die Region und ihre Mitbewohner, sondern bietet gleichzeitig ein Erlebnis für Gäste zumal Landwirte und Angehörige alle in Tracht feiern.

Der traditionelle Kopfschmuck der Leitkuh, genannt „Fuikl“, benötigt etwas 25 – 30 Arbeitsstunden in aufwendiger Handarbeit mit viel Fingerspitzengefühl. Das Vieh darf allerdings zum Almabtrieb nur dann festlich geschmückt werden, wenn kein „Unreim“, also kein Unglück, geschehen ist.

Gerne zeigen wir Ihnen das Spektakel des „Viehscheid“ zum Beispiel in Mittenwald oder in Berchtesgaden am Königssee und lassen Sie am rauschenden Fest der Almbauern teilnehmen, die damit den Almsommer glücklich beenden.

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